Ein Beitrag von Katharina Utzolino, Fair-Handels-Beraterin aus Hamburg

 

Das geht nicht, weil! Über Veränderungsprozesse im Weltladen.

von | 12. Oktober 2018 | Mehr möglich machen | 0 Kommentare

Wir Menschen tun uns oftmals schwer mit Veränderungen. Katharina Utzolino beschreibt die Herausforderung, mit Veränderungsprozessen im Weltladen umzugehen aus Sicht einer Beraterin. Und sie präsentiert die Hitliste der Blockade-Sätze, mit denen Fortschritt oftmals blockiert wird…

Durch meine Arbeit im Außendienst und in der Beratung für Weltläden kenne ich viele engagierte Teams, die aus einer kleinen Aktionsgruppe heraus ihren Laden aufgebaut, vergrößert und professionalisiert und mit den richtigen Entscheidungen auch durch schwierige Zeiten gebracht haben. Die Teams dieser Läden machen eine regelmäßige Bestandsaufnahme, um den Ist-Zustand zu erfassen (z.B. über das Monitoring des Dachverbands) und bei Bedarf an den richtigen Schrauben zu drehen. Strategien, Abläufe oder Zuständigkeiten können so angepasst werden, damit es im Weltladen weiter (oder wieder) „rund läuft“ und Veränderungen planvoll angegangen werden. Meine Aufgabe ist es dann, gemeinsam mit dem Team konkrete und umsetzbare Schritte für größere und kleinere Projekte zu entwickeln. Das kann ein anstehender Umzug sein, die Anschaffung einer elektronischen Registrierkasse oder eine Strategie zur Umsatzsteigerung. Wie man sich vorstellen kann, sind die Diskussionen und Entscheidungsprozesse mit einem vielfältigen Ladenteam dabei nicht immer einfach! Die gemeinsame Vision einer positiven Veränderung trägt aber solche schwierigen Prozesse und ermöglicht eine offene, konstruktive Beratung.

Vehementer Widerstand

Manchmal passiert aber auch folgendes: Das Team oder der Vorstand eines Weltladens lädt mich ein, sie wegen einer bestimmten Problematik zu beraten. Wir analysieren die Ursachen des aktuellen Problems und entwerfen einen zukünftigen Idealzustand. Bis dahin ist meist alles gut – alle sind sich einig, dass etwas besser werden muss, oft gibt es sogar bereits konkrete Zielvorstellungen: Ein modernes Regalsystem, mehr Umsatz im Handwerk, … Dann geht es daran, mögliche Wege und Schritte zu diesem Ziel zu erarbeiten – und plötzlich trifft jede vorgeschlagene konkrete Maßnahme auf vehementen Widerstand. Jede Idee, ob nun aus dem Team oder von meiner Seite, wird umgehend von den AuftraggeberInnen als sinnlos oder unmöglich vom Tisch gewischt.

Das “das geht nicht, weil”-Mantra

Viele dieser Einwände kommen in Form inhaltlich leerer Scheinargumente oder negativer Glaubenssätze daher. Sie alle sind Variationen des „das geht nicht, weil“-Mantras, dessen Kern es ist, Veränderung zu verhindern: Sie sabotieren jede Entwicklung und schränken das eigene Potential ein. Für den Laden (und damit auch für die ProduzentInnen im globalen Süden) existentiell wichtige Veränderungen werden so ausgebremst bis hin zur völligen Erstarrung.

In solchen Situationen habe ich fast den Eindruck, meine Beratung solle lediglich bestätigen, dass das alles zu schwer und überhaupt sinnlos sei...

 

Für mich als Beraterin ist das natürlich irritierend und frustrierend. Aber viel gravierender sind die Auswirkungen im Team. Denn solche Phrasen machen die GesprächspartnerInnen mundtot, rauben Motivation und verhindern jedes kreative, lösungsorientierte Denken.

Die Top 5 der besten Blockade-Sätze

Die Hitliste der klassischen Blockade-Sätze möchte ich hier vorstellen. Und auch, welche Fragen du im Team stellen kannst, um Scheinargumente zu enttarnen und die Diskussion wieder zu versachlichen und voran zu bringen.

1. Das haben wir schon immer so gemacht!

Das besagt zwar, dass es funktioniert – aber nicht, dass es die beste Möglichkeit ist. Routinen erleichtern uns den Arbeitsalltag, verstellen aber manchmal auch den Blick auf Alternativen. Warum genau machen wir das so und nicht anders? Welche Gründe sprechen dafür, eine andere Herangehensweise zu versuchen?

2. Das haben wir noch nie so gemacht!

Dann ist es vielleicht höchste Zeit, es mal auszuprobieren! Vielleicht haben unsere KundInnen genau darauf gewartet? Wie können wir neue Zielgruppen ansprechen und zukunftsfähig arbeiten, wenn wir nichts Neues anbieten? Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn es nicht klappt?

3. Das haben wir vor 10 Jahren schon mal probiert, das bringt nichts!

Haben wir es damals richtig gemacht? Haben wir ausgewertet, was genau und warum es nicht gewirkt hat? Ist die Situation (die Kundschaft, das Umfeld, die Produkte, ...) heute noch die gleiche?

4. Das können wir uns nicht leisten!

Welche Möglichkeiten haben andere Weltläden gefunden, um das Geld für ein solches Vorhaben zu beschaffen? Führt die Anschaffung/das Projekt nicht gerade zu höheren Einnahmen? Ist das wirklich nur ein unnötiger Kostenfaktor oder eine notwendige Investition? Können wir es uns leisten, das Geld nicht zu investieren?

5. Das funktioniert hier bei uns in [beliebiger Ortsname] nicht / "Das ist unseren KundInnen / Mitarbeitenden nicht zu vermitteln!

Woher wissen wir das? Haben wir es versucht? Warum sollte das, was bei vergleichbaren Weltläden funktioniert, bei uns nicht funktionieren? Gibt es sachlich begründete Zweifel an der Machbarkeit – oder trauen wir uns nur zu wenig zu?

Eigentlich soll alles besser werden – aber ohne irgendwas zu ändern?!

Aus solchen Sätzen spricht Angst vor Überforderung und Scheitern, die uns klein macht. Negative Erwartungen sorgen dafür, dass wir uns entsprechend verhalten und dadurch auch schlechtere Ergebnisse erzielen (was den negativen Glaubenssatz wiederum bestätigt). Verschwendet eure Zeit und Energie nicht mit solchen sich selbst erfüllenden Prophezeiungen!

Gegen grassierende Mutlosigkeit empfehle ich:

„Das kann ich nicht glauben!“, sagte Alice. „Nein?“, sagte die Königin mitleidig. „Versuch es noch einmal: Tief Luft holen, Augen zu…“ Alice lachte. „Ich brauche es gar nicht zu versuchen“, sagte sie. „Etwas Unmögliches kann man nicht glauben.“

„Du wirst darin eben noch nicht die rechte Übung haben“, sagte die Königin. „In deinem Alter habe ich täglich eine halbe Stunde darauf verwendet. Zuzeiten habe ich vor dem Frühstück bereits bis zu sechs unmögliche Dinge geglaubt.”

aus: „Alice hinter den Spiegeln“ von Lewis Carroll

“So könnte es gehen, dass…!”

Wir BeraterInnen bauen natürlich keine Luftschlösser vom „perfekten Weltladen“, sondern erstellen mit euch Baupläne für realisierbare Maßnahmen. Wir geben euch Erfahrungen darüber weiter, was viele andere Läden in vergleichbaren Orten oder Situationen erfolgreich umgesetzt haben. Mit guter Planung und der richtigen Portion Mut und Veränderungswillen können Weltläden sehr viel erreichen!

Wissen, wie's geht!

Beratung und Unterstützung zu vielen Themen der Weltladen-Arbeit erhaltet ihr bei den Fair-Handels-BeraterInnen in eurem Bundesland.

 Ihr braucht dabei gar nicht an das Unmögliche glauben – es reicht, wenn ihr dem Möglichen eine Chance gebt. Bei Herausforderungen und anstehenden Veränderungen empfehle ich euch, zunächst ein konkretes, positives Ziel zu formulieren, z.B. „In 6 Monaten arbeitet unser Team erfolgreich mit einer Registrierkasse, die uns alle wichtigen Auswertungsmöglichkeiten bietet.“  Öffnet dann mit der Frage „wie könnte es gehen, dass…?“ den Raum für kreative und konstruktive Ideen. Eure Gedanken und Vorschläge könnt ihr mit weiteren Fragen lösungsorientiert diskutieren: Welches Wissen, welche Ressourcen brauchen wir für die Umsetzung? Wo bekommen wir das? Wessen Unterstützung können wir uns holen? Wie haben das andere WL gemacht?

So kommt ihr vom blockierenden „Das geht nicht, weil…“  zu einem motivierenden „So könnte es gehen, dass…!“

Alice und ich wünschen euch viel Spaß, Mut und große Ideen!

Ihr wünscht euch fachkundige Beratung für euer Fachgeschäft?

Setzt euch mit Katharina in Verbindung. Als Fair-Handels-Beraterin und Fachfrau für Sortimentsgestaltung und Warenpräsentation unterstützt euch Katharina dabei, Veränderungsprozesse in eurem Weltladen umzusetzen.

Smiley "Frido" und "Frida" mit den zwei Gesichtern!

Lachend oder schlecht gelaunt – die aus kenianischem Speckstein in aufwändiger Handarbeit gefertigten Smileys “Frido” und “Frida” passen sich wunderbar der Laune an. Ein wunderbares Accessoire für den Schreibtisch 🙂